Die Geschichte der Psychotraumotologie ist gekennzeichnet durch einen ständigen Wechsel zwischen Auftauchen und Verschwinden in der wissenschaftlichen Diskussion.
Einer der ersten, der sich mit der modernen Psychotraumatologie beschäftigte, war der französische Philosoph, Psychiater und Psychotherapeut Pierre Janet, der um 1890 eine Theorie über die Verarbeitungsprozesse traumatischer Erfahrungen von Menschen veröffentlichte, die, zumeist durch Eisenbahnunfälle, schwer verletzt wurden. Als Folge dieser Unfälle beobachtete er in erster Linie dissoziative Zustände bei diesen Menschen, die daraufhin eine Hysterie entwickelten. Janet entwickelte ein dreistufiges Behandlungskonzept, bestehend aus Stabilisierung und Symptomreduktion, Traumabearbeitung und Modifikation sowie Integration und Rehabilitation, das in seinen Grundzügen auch in der heutigen Traumatherapie noch Anwendung findet.
Auch Sigmund Freud beschäftigte sich am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Hysterie im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch, war aber der Überzeugung, dass abgespaltete Gedächtnisinhalte nicht dissoziiert, sondern lediglich verdrängt wurden.
In weiteren Wellen im Zuge des ersten und zweiten Weltkrieges, in denen Millionen Menschen starben, sowie durch schwer gezeichnete Holocaustüberlebende, drängten Traumafolgen erneut in das öffentliche Bewusstsein. Es entstanden Begriffe wie „Kriegszittern“, „Kriegsneurosen“ und „Bombenschock“. Dazwischen und danach geriet die Forschung immer wieder in Vergessenheit.
Als sich durch den Vietnamkrieg und in etwa zeitgleich durch die zunehmende Erforschung von sexueller und innerfamiliärer Gewalt die psychischen und körperlichen Folgen von schweren traumatischen Erlebnissen nicht mehr verdrängen ließen und es sich zeigte, dass beide Gruppen nahezu dieselben Symptome zeigten, wurde schließlich 1980 die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in das DSM und anschließend in den ICD aufgenommen.
Es dauerte weitere 40 Jahre, bis schließlich im Jahr 2022 die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) in den ICD aufgenommen wurde, die im Unterschied zur klassischen PTBS nicht durch ein Einzelerlebnis, sondern durch ein breites Spektrum an Beeinträchtigungen, die zumeist über einen längeren Zeitraum bestehen, verursacht wird.
Inzwischen wird auch vermehrt diskutiert, dass viele chronische Depressionen, Angstsymptome, Süchte, psychosomatische Erkrankungen sowie etwa Störungen der Impulskontrolle Folgen von Traumatisierungen sein könnten.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung
https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexe_posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung