Nerven übermitteln motorische und sensorische Signale vom Gehirn über das Rückenmark zu den einzelnen Körperteilen und umgekehrt zwischen den Körperteilen über das Rückenmark zum Gehirn. Dadurch ermöglichen sie unter anderem die Steuerung von Bewegungen, das Empfinden von Schmerz und Temperatur sowie die Aufnahme von Informationen aus der Umwelt.
Oft sind dies bewusste Abläufe. Das bewusste oder willkürliche Nervensystem steuert Vorgänge im Körper, die wir bewusst über den eigenen Willen beeinflussen können. Ich möchte beispielsweise meine Wohnung verlassen, suche und sehe meinen Wohnungsschlüssel auf dem Küchentisch liegen und greife mit meiner Hand nach dem Schlüssel.
Viele Dinge geschehen aber auch unbewusst, ohne unser Zutun. Sie laufen unabhängig von unserem Willen ab. Organfunktionen werden ebenso unbewusst kontrolliert und geregelt wie lebenswichtige Körperfunktionen wie Verdauung, Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Dieser unbewusste Teil unseres Nervensystems wird autonomes oder vegetatives Nervensystem genannt. Mit diesem möchte ich mich in diesem Beitrag ein wenig näher beschäftigen.
Das autonome Nervensystem (ANS) ist unterteilt in drei Bereiche. Das sympathische Nervensystem (SNS), das für Aktivierung zuständig ist, das Parasympathische Nervensystem (PNS), das für Beruhigung zuständig ist und das enterische Nervensystem (ENS), das die Verdauung und den Stoffwechsel regelt.
Das sympathische Nervensystem (aus dem altgriechischen Wort sympathein = mitleiden, mitempfinden abgeleitet) ist, wie gesagt, für die Aktivierung und für das Hochfahren des Systems zuständig. Der Sympathikus reagiert auf Gefahrensignale, schüttet Adrenalin aus, sorgt für einen schnellen Herzschlag und schnellere Atemtätigkeit und bereitet die Kampf- oder Fluchtreaktion vor, um die Gefahr entweder zu beseitigen oder um aus der Gefahrensituation zu entkommen.
Das parasympathische Nervensystem, oft auch als sich ergänzender Gegenspieler des Sympathikus bezeichnet, reduziert den Herzschlag und die Atemfrequenz, wenn die Gefahr vorüber ist, und sorgt dadurch für ein Zurückfahren in den „Normalzustand“. Der Parasympathikus ist an der unwillkürlichen Steuerung und Regelung der meisten inneren Organe sowie des Blutkreislaufs maßgeblich beteiligt. Er dient dem Stoffwechsel, der Erholung und dem Aufbau körpereigener Reserven und wird auch deshalb als Ruhenerv bezeichnet.
Ein wichtiger Teil des Parasympathikus ist der Vagusnerv. Da diesem eine zentrale Bedeutung in der Regulation zukommt, werde ich auf ihn in einem eigenen Beitrag eingehen.
Das enterische Nervensystem (von dem altgriechischen Wort enteron = Darm) ist ein autonomes Nervengeflecht, das umgangssprachlich auch Darmhirn oder Bauchhirn bezeichnet wird. Es arbeitet eigenständig, unabhängig vom Gehirn, unterliegt aber den Einflüssen von Sympathikus und Parasympathikus, um mit dem gesamten Organismus zusammen zu arbeiten. Die Verbindung auf der „Bauch – Hirn – Achse“ besteht über den Vagusnerv. Das enterische Nervensystem steuert unter anderem die Verdauung, Darmbewegungen, die Produktion von Verdauungssäften, die Abwehr von Krankheitserregern und vieles mehr. Das ENS beeinflusst auch unsere Stimmung und unsere Emotionen. „Schmetterlinge im Bauch“ oder „ein komisches Gefühl in der Magengegend“ kennen die meisten von uns. Welche Bedeutung für das Große und Ganze das Bauchhirn hat, zeigt sich auch daran, dass 80 – 90 Prozent der Nervenbahnen vom Bauch in das Gehirn im Kopf führen und nicht umgekehrt.
Quellen
* Verena König, Bin ich traumatisiert – Wie wir die immer gleichen Problemschleifen verlassen
* Deb Dana, Die Polyvagaltheorie in der Therapie
https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetatives_Nervensystem