Im Allgemeinen bedeutet Dissoziation Spaltung oder Trennung. Dinge, die normalerweise zusammengehören, tauchen plötzlich als zusammenhangslose Einzelteile auf. In der Psychologie versteht man unter dem Begriff die Trennung von normalerweise zusammengehörenden Wahrnehmungen oder der scheinbar fehlende Zusammenhang zwischen Symptomen und Erkrankung.
„Dissoziation ist ein Begriff, der in der französisch-angelsächsischen Denktradition entstand und einen Mechanismus beschreibt, der im Fall von Bedrohung und Überforderung das verhältnismäßige, vernünftige Denken abschaltet um lebens- und damit arterhaltende Aktivitäten einzuleiten.“ (Hantke und Görges, Seite 87)
Immer dann, wenn der Stress von eingehenden Reizen zu groß ist, um ihn auszuhalten, wenn eine Notfallreaktion eingeleitet wird und die Großhirnrinde vom Säugetier getrennt wird, vollbringt der Körper im Sinne des Überlebens ein Wunder. Er trennt das gesamte Erleben in einzelne Teile, die wir verkraften können. Diese einzelnen Teile des Erlebens werden nicht mehr als Ganzes gespeichert und das bewusste Denken hat keinen Zugriff mehr auf das, was der Körper tut. In der Folge „wird das Erleben zwar im Körper gespeichert, kann aber nicht eingeordnet und verarbeitet werden“ (Hantke und Görges, Seite 87), da der Hippocampus die vielen Informationen nicht mehr an die Großhirnrinde weitergeben kann.
„Das überwältigende Erlebnis wird abgespalten und aufgeteilt, so dass die Emotionen, Geräusche, Bilder, Gedanken und psychischen Empfindungen, die mit dem Trauma verbunden sind, ein Eigenleben zu führen beginnen. Die sensorischen Erinnerungsfragmente dringen in die Gegenwart ein und werden buchstäblich wieder erlebt. Solange das Trauma noch nicht aufgelöst ist, bleiben die Stresshormone, die der Körper zu seinem Schutz produziert, aktiv, und die defensiven Augenblicke und emotionalen Reaktionen der ursprünglichen traumatischen Situation wiederholen sich unablässig.“ (Bessel van der Kolk, Seite 105f)
Quellen