Dass sowohl Lydia Hantke wie auch Hans-Joachim Görges seit vielen Jahren mit Traumatisierten arbeiten, sie aus einem reichhaltigen Schatz von Erfahrungen schöpfen und dieses Wissen in Fortbildungen und Ausbildungen auch weitergeben, ist dem Buch deutlich und sehr positiv anzumerken. Das Buch ist aufgeteilt in zwei große Teile. Im ersten Teil werden theoretische Grundlagen vermittelt während im zweiten Teil viele Übungen angeboten werden, die im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe vielfältige Interventionsmöglichkeiten von kurzen Reorientierungsanleitungen über die Möglichkeiten der Distanzierung von Schrecken bis zur Arbeit an inneren Konflikten eine breite Palette zur „Behandlung“ von Traumafolgesituationen abdecken.
Im ersten Teil werden auf über 200 Seiten sehr unterhaltsam und sehr verständlich theoretische Grundlagen beschrieben. Dies beginnt mit den Entwicklungsschritten und den verschiedenen Bereichen und Aufgaben unseres Gehirns und geht weiter mit den Themen Selbstregulierung und Empathieentwicklung. In diesem Kapitel werden auch der Denker und das Häschen vorgestellt. Der Denker, der für den denkenden Teil des Gehirns, den Neocortex, steht und das Häschen, das Sinnbild ist für die tieferen und älteren Schichten, für den bedeutend schneller agierenden emotionalen Teil des Gehirns. Im ganzen Buch werden uns der Denker und das Häschen immer wieder begegnen um uns daran zu erinnern, dass im Zweifelsfall, wenn reale oder vermutete Gefahr aufzieht, immer das Häschen den Vorrang vor dem Denker hat.
Weiter wird im theoretischen Teil erläutert, was denn ein Trauma ist und welche Folgen dies für Körper, Geist und Seele hat, welche Symptome, Symptomgruppen und welche Diagnosen gängig sind, was Dissoziation ist und was uns hilft, das Überleben nach einer Traumatisierung zu sichern.
Zum Ende des ersten Teils wird beschrieben, welche Konsequenzen dies alles für die praktische Arbeit mit Traumatisierten hat.
Im zweiten Teil werden auf über 350 Seiten praktische, leicht durchführbare Übungen zur Stabilisierung in unterschiedlichen Kontexten und Situationen aufgeführt. Diese werden mit genauen Anleitungen für die Durchführung und Anwendbarkeit für unterschiedliche Altersgruppen und sonstige Hintergründe beschrieben, so dass sie in der Arbeit mit Traumatisierten problemlos durchgeführt werden können. Es finden sich darin Übungen, die dabei helfen, dass sowohl Sie selbst wie auch Ihre Klienten sich im Hier und Jetzt verankern können, was sehr wichtig ist und als Grundlage für eine weitergehende Arbeit mit Traumatisierten dient. Weiter wird vorgestellt, wie Abläufe und Reaktionen im Körper und Gehirn den Klient*innen am besten vermittelt werden können, um ein Verständnis für die Normalität der scheinbar unerklärlichen Vorgänge herstellen zu können.
Des weiteren finden sich Übungen, um Raum und Zeit verfügbar zu machen, Übungen, um Dissoziation durch Distanzierung zu ersetzen, Übungen, um den Ressourcenbereich zu erweitern, Übungen zur Arbeit mit Anteilen sowie Übungen, um andere in den Prozess mit einzubeziehen.
Zusammengefasst handelt es sich bei diesem Buch um ein sehr praxisorientiertes und leicht verständliches Werk, das zwar preislich nicht günstig, aber jeden Euro wert ist und klar empfohlen werden kann.
Quellen