„Die wichtigste Aufgabe des Gehirns ist, selbst unter schwierigsten Bedingungen unser Überleben zu sichern. Alles andere ist zweitrangig.“ So beschreibt es Bessel van der Kolk in seinem Buch „Das Trauma in dir – Wie der Körper den Schrecken festhält und wie wir heilen können“ (Seite 88).
Unser Gehirn ist in verschiedene Schichten unterteilt, von denen ich einige, da sie bei Traumatisierungen eine zentrale Rolle spielen, vereinfacht vorstellen möchte.
Im Wesentlichen von Bedeutung sind drei Bereiche, die häufig auch als das dreieinige (dreiteilige) Gehirn bezeichnet werden. Der Hirnstamm, das limbische System bestehend aus dem Hippocampus und der Amygdala sowie der Neocortex (Großhirnrinde).
Der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil unseres Gehirns ist der Hirnstamm, der auch Reptiliengehirn genannt wird. Er hat seinen Sitz zwischen Rückenmark und Gehirn und ist bei Geburt schon vollständig funktionsfähig. Der Hirnstamm kontrolliert und reguliert viele wichtige Lebensfunktionen, die vollautomatisch und unbewusst ablaufen, wie Atmung, Verdauung, Schlaf- und Wachrhythmus, Herzschlag, Blutdruck Hungergefühl, Urinieren und Defäkieren sowie die Schmerzempfindung.
Das limbische System besteht unter anderem aus der Amygdala und dem Hippocampus. Es entwickelt sich größtenteils erst nach der Geburt. Es wird auch Säugetiergehirn genannt, da „dieser Gehirnteil bei allen Säugetieren, die in Gruppen leben und ihre Jungen ernähren, vorhanden ist“ (van der Kolk, Seite 90). Es ist der Sitz der Emotionen.
Die Amygdala ist die Schaltzentrale für unsere Gefühle, vor allem derjenigen, die uns am Leben erhalten können. Wut, Angst, Ekel, Lust. Sie gilt als Alarmanlage des Gehirns und überprüft alle eintreffenden Reize auf ihre Gefährlichkeit für das Überleben des Organismus. Informationen werden von ihr nur dann an höher entwickelte (und langsamer arbeitende) Bereiche des Gehirns weitergeleitet, wenn diese von ihr nicht als Bedrohung erkannt werden.
Der Hippocampus ist der Arbeitsspeicher unseres Gehirns. Er leitet Informationen, die wichtig sind, vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis weiter, wo sie gespeichert und wieder abgerufen werden können.
Der Neocortex, die Großhirnrinde, der größte und entwicklungsgeschichtlich jüngste ist der Teil unseres Gehirns, der uns Menschen von allen anderen Säugetieren unterscheidet. Ab dem 2.Lebensjahr entwickeln sich mit zunehmender Geschwindigkeit die Frontallappen, die den größten Teil des Neocortex ausmachen.
Der Neocortex ist der Denker in unserem Gehirn. In ihm finden Abwägungen und Vergleiche statt und werden Entscheidungen getroffen. Die Großhirnrinde ist „für bewusstes Denken, Selbstreflexion, Sinneswahrnehmung, Bewegungsentscheidungen, Sprache und Handlungsalternativen zuständig“.(Hantke und Jörger, Seite 41). Dieser hochspezialisierte Teil unseres Gehirns arbeitet im Vergleich zum Hirnstamm und dem limbischen System, den unwillkürlichen Bereichen, relativ langsam.
Wenn alles gut ist, arbeiten alle drei Bereiche zusammen. Wenn aber Gefahr droht, sieht dies ganz anders aus. Wie ich in einem späteren Beitrag zu beschreiben versuche, werden in dem Moment, in dem Gefahr für das Überleben des Organismus erkannt wird, weite Teile des Neocortex abgeschaltet und die unwillkürlichen Bereiche arbeiten selbständig weiter, was elementare Auswirkungen hat.
Quellen: